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Digitales Radio in NRW ist immer noch Zukunftsmusik - Bericht von der LfM-Anhörung
Sicher ist, dass es kommt. Aber wann und mit welchem System in Zukunft gesendet wird, ist auch für Experten und Entscheider immer noch unklar. Das wurde auf der LfM-Anhörung am 8. Mai in Köln deutlich. Dort wurden die Ergebnisse der Befragung zum Thema vorgestellt, an der auch 17 Bürgerfunk-Organisationen teilgenommen hatten.
Insgesamt schickten nur 86 Befragte ihre Bögen an „Goldmedia Consulting und Research “ zurück, eine Zahl, die alle Aussagen stark relativiert: 24 Antworten kamen von Betriebsgesellschaften, 13 von Veranstaltergemeinschaften, 17 von Bürgerfunkern, 12 von Vermarktern, sechs von Verbänden und noch 14 von „sonstigen Teilnehmern“. (Die Einzelergebnisse sind abrufbar unter: http://www.lfm-nrw.de/downloads/080508-Praesentation-Anhoerung_Befragung-Konsultationsverfahren_Goldmedia.pdf ).Lokales weiterhin erwünscht
Die Mehrheit dieser Befragten sieht ein Potenzial für weitere Hörfunk-Angebote, allerdings vor allem für unterschiedliche Musiksender – das Informationsangebot sei auf allen Ebenen bereits zufriedenstellend. 83 Prozent halten die Weiterentwickung von UKW für einen erfolgversprechenden neuen Standard, 81 Prozent das digitale Radio über Internet. Bei den neuen Technologien waren die meisten für die DAB+/dmb-Gruppe und für HD-Radio. Allerdings darf hier bezweifelt werden, dass die Antworten auf einer soliden Wissensbasis über diese Technologien gegeben wurden.
Lokaler Hörfunk steht in NRW auch in den Zukunftsvisionen über digitales Radio hoch im Kurs. 82 Prozent der Befragten plädieren dafür, dass für lokale Anbieter Mindestkapazitäten reserviert werden. Fast die Hälfte der Befragten will sich auch tatsächlich um einen Zugang bewerben, davon wiederum 90 Prozent im lokalen/ regionalen Raum. Die Finanzierung ist jedoch nach wie vor unklar, deshalb wünschten sich 64 Prozent der Befragten eine Übergangsförderung. Es wurde vorgeschlagen, Handel und Hörer in die Einführung neuer Verbreitungstechnologien einzubeziehen.
Die Frage, ob das Zwei-Säulen-Modell für den Lokalfunk fortgeführt werden soll, beantwortete rund eine Hälfte der Teilnehmer mit „Ja“, die andere mit „Nein“ – nur bei den VGs fand sich eine klare Mehrheit dafür. Die BGs antworteten immer noch zu 54 Prozent mit „Ja“.
Bis 2030 denken – und erst mal eine Arbeitsgruppe gründen
Am Ende der Präsentation waren im Wesentlichen genau soviel Fragen offen, wie zuvor.
Etwas mehr Klarheit brachte die Aufforderung der LfM an anwesende Experten, den Stand der Dinge zu referieren. Der Rechtsanwalt Stephan Ory berichtete von dem Workshop "Endgeräte für Neues Digitales Radio" im Bundeswirtschaftsministerium. Klar ist: Die Einführung von Digitalradio steht und fällt mit den Endgeräten, deren kompletter Austausch erfahrungsgemäß rund zehn Jahre dauert. Es wurde die Einrichtung einer Projektgruppe beschlossen, die Investoren suchen und den Prozess auf Bundesebene mit den Ländern koordinieren soll. Dazu bedürfe es langfristigen Denkens. Wenn die Einführung ab 2010 begänne und nach zehn Jahren abgeschlossen wäre, würde es noch weitere zehn Jahre dauern, bis die Investitionen refinanziert seien, so Ory.
Es müssen auch neue Inhalte her
Rüdiger Mahlfeld vom WDR rief zur gemeinsamen „Rettung der Gattung Hörfunk“ auf. Der Siegeszug von Internetradio müsse auch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu neuen Angeboten treiben, vor allem, ein stärker ausdifferenziertes Programm anzubieten, eine zeitversetzte Nutzung zu ermöglichen und eine visuelle Begleitung mit Zusatzinfos zu installieren. Die Inhalte müssten im Vordergrund stehen. Den Fehler, einfach in neue Verbreitungswege zu investieren, wie bei DAB-alt geschehen, dürfe man nicht noch einmal machen.
Dem stimmte auch Udo Becker vom BG-Verband zu. Die Menschen müssten die neuen Angebote wirklich haben wollen und dafür im Laden Schlange stehen – wie bei den DVBT-Empfängern geschehen. Dies sei aber im Hörfunkbereich wesentlich schwieriger.
Lokalradio kaum machbar
Einig waren sich die Experten, dass es lokale Verbreitungsgebiete mit einer neuen digitalen Technik kaum geben wird. Die kleinste Einheit wird die Region sein. In NRW sind das zurzeit neun Verbreitungsräume, in denen jeweils rund 15 Programme transportiert werden können. Ohnehin ist es wahrscheinlich, dass sich zunächst bundesweite Veranstalter von Musikprogrammen etablieren. Das könne dann eine „Lokomotivenfunktion“ (Ory) für die Digitalisierung auf Länderebene haben. Die Staatskanzlei NRW sammelt allerdings schon gemeinsam mit der LfM Bedarfsanmeldungen, um die regionale Versorgung zu strukturieren. Hier werden die Bürgerfunker im Land baldmöglichst den Bedarf an der Verbreitung nichtkommerzieller Programme anmelden.